Ich mach‘ mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt

ich-mach-mir-die-welt_blog

Ich mach‘ mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt

„I knew you were trouble when you walked in…“, der Hit von Taylor Swift lief gerade im Radio und ich summte nichtsahnend mit. Plötzlich ging die Tür auf und mein Lieblingskollege – im negativen Sinne – kam herein. „Ist der Chef da?“ sagte er und schon machte er die typische – halsverlängernde – Kopfbewegung in Richtung des Büros meines Chefs, um zu sehen, ob er denn wohl im Büro wäre. „Ja, ist er.“ – „Dann muss ich mal kurz zu ihm.“  Gerade noch rechtzeitig, bevor er flink wie ein Wiesel im Büro meines Chefs verschwinden konnte, rief ich ihm hinterher: „Das passt jetzt aber gar nicht, denn ich habe jetzt eigentlich einen Termin mit meinem Chef, aber ich gebe Ihnen gerne 5 Minuten meines Termins ab.“ „Es dauert auch nicht lange“, rief er und schwupps war die Tür zu.

Kurze Zeit später kam er tatsächlich wieder aus den heiligen Hallen und verschwand ohne weiteren Gruß. Ich stand schon auf, um nun endlich den Termin mit meinem Chef anzutreten, da rief der Chef meiner Kollegin (wir sitzen in einem Doppelbüro) mir zu, dass er gerne einen Kaffee hätte. Meine Kollegin war an ihrem Arbeitsplatz und telefonierte. Ich guckte etwas verdutzt, er kann ja nicht mich gemeint haben und doch, sein Blick galt mir. Daraufhin erwiderte ich, dass ich jetzt leider keine Zeit hätte, ich müsste nun dringend zu meinem Chef.

Der lebt doch in einer anderen Welt! Was das Modell der Welt ist

Normaler Alltag also, nichts besonderes. Bis der Anruf einer Kollegin kam. Sie war die Assistentin meines Lieblingskollegen, der vorhin ins Büro meines Chefs geprescht ist. Sie teilte mir mit, dass der Herr Lieblingskollege dringend Termine bei meinem Chef benötigt, um ganz wichtige Vorgänge zu besprechen, und am besten in der nächsten Woche dreimal. Sie sagte mir, dass ich das doch bestimmt für ihn ermöglichen könnte, da wir uns ja so gut verstehen würden und ich das bestimmt für ihn machen könnte. Nun weiß diese Kollegin schon seit längerem, dass er in meiner Gunst nicht besonders weit oben steht und sie wunderte sich schon, warum er nun behauptete, dass wir uns so gut verstehen würden, dass ich alle anderen Termine meines Chefs beiseite schieben würde, um ihm zu ermöglichen, seine – nur in seinen Augen wichtigen – Angelegenheiten dringend mit meinem Chef zu besprechen. „Der lebt wohl in einer anderen Welt“, meinte meine Kollegin noch.

Ja, macht er!

So wie jeder andere von uns auch in seiner eigenen Welt lebt. Jeder Mensch hat seine eigenen, ganz persönlichen Vorstellungen von der Welt und Missverständniss gehören einfach zur Kommunikation dazu.

Warum ist das so?

Hierzu möchte ich dir das „Modell der Welt“ (nach dem polnischen Psychologen und Linguistiker Alfred Korzybski) vorstellen. Dieses Modell besagt, dass individeulle Vorerfahrungen und kulturelle Prägungen bei jedem Menschen ein eigenes „Modell der Welt“ entstehen lassen. Jeder schafft sich also seine eigene Welt, weil jeder von uns andere Erfahrungen in seinem Leben macht und auch aufgrund seiner persönlichen Neigung anders verarbeitet. So entsteht auch bei jedem Menschen eine andere Welt, die nie identisch mit der Welt eines anderen Menschen ist.

Im kommunikativen Verhalten eines jeden von uns spiegelt sich dann diese individuelle „Landkarte“ wider. Diese Landkarte ist daher auch nicht das Gelände. Das bedeutet, dass wir niemals die Welt so sehen können, wie sie ist. Denn jeder hat einen anderen subjektiven Eindruck von der Welt. Die Kunst besteht nun darin, auch zu erkennen, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Das, was wir für die Welt halten, ist nur das, was uns unsere Sinne vermitteln. Denn wenn jeder sich seine eigene Welt erschafft, dann gibt es kein „richtig“ oder „falsch“. Wer sollte das dann beurteilen?

So erschaffen wir unsere eigene Welt

  • Wir beobachten und nehmen Ereignisse wahr.
  • Wir wählen aus unseren Beobachtungen Ereignisse aus.
  • Wir fügen das hinzu, was uns kulturell und persönlich wichtig ist.
  • Wir entwickeln Meinungen.
  • Wir ziehen Schlussfolgerungen.
  • Wir bilden uns Meinungen und Glaubenssätze in Bezug auf die Welt und das Leben. Diese gebildeten Meinungen und Glaubenssätze beeinflussen uns bei der weiteren Auswahl an Ereignissen.
  • Wir handeln nach unseren Überzeugungen.

Da der Mensch nicht fähig ist, die Realität der Welt zu erfassen, versuchen wir, uns Dinge und Ereignisse anhand unserer gelernten Realität zu erklären. Das führt natürlich zu Missverständnissen in der Kommunikation mit anderen Menschen, weil diese eben ganze andere Erfahrungen gemacht haben und diese anderes bewertet haben.

Du solltest dir also bewusst machen, dass jeder in seiner eigenen Welt lebt und denkt und diese Welt genauso viel wert ist wie deine eigene.

Ein weiterer Gedanke bei diesem Modell der Welt ist, dass jeder für seine eigene Welt, wie er handelt, wie er denkt und schlussfolgert, alleine verantwortlich ist. Es liegt also nur an dir selbst, diese Welt zu ändern – wenn du es möchtest.

Missverständnisse gehören dazu

Missverständnisse gehören deshalb zur Kommunikation dazu, weil dein Gegenüber ein anderes „Modell der Welt“ hat. In gewisser Weise beruhigend, oder? Es macht natürlich auch kein Spaß, wenn es ständig Missverständnisse in der Kommunikation mit anderen Menschen gibt. Das wird auf Dauer anstrengend und schwierig. Daher ist es ratsam, wenn du das erkennst. Um Missverständnisse gering zu halten, sollten wir das Verständnis von „richtig“ oder „falsch“ umdeuten in „gemeinsam“ oder „noch nicht gemeinsam“.

Was kannst du also tun, um Missverständnisse zu vermeiden?

  • Versuche, eine offene und nicht wertende Haltung für dein Gegebüber einzunehmen.
  • Versuche, die Welt deines Gegenüber zu erkunden, sei neugierig, warum er gerade so und nicht anders denkt. Frage ihn mithilfe von offenen Fragen.
  • Versuche, die Welt deines Gegenüber durch aktives Zuhören zu erkennen. Wie das geht, kannst du hier weiterlesen.

Eine klare Kommunikation ist also möglich…

… indem du lernst, die Welt des Anderen zu verstehen. Umso besser du seine Welt verstehst, umso mehr sprichst du „seine“ Sprache und umso mehr wird er sich von dir verstanden fühlen. Und umso reibungsloser verläuft die Kommunikation.

Ich wünsche dir viel Kraft und Neugierde, die Welt der Anderen zu entdecken.

Ich bin neugierig, wie du „tickst“, schreibe mir doch von deiner Welt und deiner Sicht der Dinge. Was denkst du über das „Modell der Welt“? Schreibe einen Kommentar oder eine Nachricht oder verbinde dich mit mir auf facebook.