Wie du dein Leben mit 1 Wort leichter machst

Das Telefon klingelte. Ausgerechnet heute ruft alle zwei Minuten jemand an. Und dann auch noch dieser Kollege. Er ist manchmal ein bisschen anstrengend und umständlich. Und gerade war ich nicht in bester Laune. Mein neuer Rechner war da. Mit einem neuen Betriebssystem und ich musste erst mal wieder sämtliche persönlichen Einstellungen vornehmen. Ich war etwas genervt und dann auch noch dieser Anruf. Ich ging erst mal nicht ans Telefon und kümmerte mich weiter um meinen Rechner. Doch der Kollege gab nicht auf und rief gleich noch einmal an. Musste wohl dringend sein, dachte ich. Also ging ich ans Telefon. „Guten Morgen, Frau Wiese“, sagte der Kollege am Telefon und wartete meinen Gruß nicht einmal ab.

„Ist der Chef da?“, fragte er mich. Ich kannte das Spiel und wusste, dass das nicht die eigentliche Frage war, die er von mir beantwortet haben wollte. Also spielte ich auch ein Spiel. Ich antworte ehrlich und wahrheitsgemäß, „ja, er ist da“.

„Das ist ja fantastisch“, war seine Antwort und teilte mir mit, dass er ihn dringend in einer Angelegenheit sprechen müsse und dass er gleich einmal mit noch einem weiteren Kollegen vorbei kommt. Daraufhin teilte ich ihm mit, dass das nicht möglich sei, da mein Chef gerade in einer Besprechung war und nicht gestört werden konnte. „Warum haben Sie das denn nicht gesagt?“, erwiderte daraufhin der Kollege. „Weil Sie mich das nicht gefragt haben“, antwortete ich ihm. Leicht angesäuert murmelte er unverständliche Worte in seinen Bart.

Unklare Kommunikation als Firmenkultur

Ein Merkmal der Firmenkultur dieses Unternehmens besteht darin, möglichst nicht das zu sagen, was man sagen möchte. Das ist anstrengend, da ich ein Mensch bin, der klare Kommunikation schätzt und wichtig hält. Daher mache ich mir ab und zu den Spaß, auf Fragen so zu antworten wie sie auch gestellt werden ohne die eigentliche Erwartung und tatsächliche Frage zu erahnen.

Geht es dir manchmal auch so?

Jeder lebt in seiner eigenen Welt

Es gibt Menschen, die so sehr in ihrer eigenen Welt leben, dass sie andere Welten gar nicht wahrnehmen und ihre Botschaften nicht empfängerorientiert weitergeben. Hier kannst du nachlesen, wie du mit dem 4-Seiten Modell empfängerorientiert kommunizieren kannst.

Hast du auch nicht immer Lust darauf, die Gedanken deiner Kollegen oder deines Chefs zu erahnen?

Dann versuche das doch auch einmal und antworte nur auf die Frage, die tatsächlich gestellt wird. Du wirst zwar merkwürdige Blicke ernten, weil der andere natürlich davon ausgeht, dass seine eigentliche, nicht ausgesprochene Frage, zufriedenstellend beantwortet wird. Aber wenn dir eine klare Kommunikation wichtig ist, dann forderst du dein Gegenüber auf diese Weise dazu auf, ebenso klar seine Frage zu stellen.

Warum können einige Menschen nicht klar kommunizieren?

In meinen Augen hängt das mit Unfähigkeit oder Angst zusammen. Viele haben es einfach nicht gelernt bzw. wieder verlernt, wie man klar und deutlich seine Wünsche und Bedürfnisse ausspricht. Mein liebstes Beispiel sind hier wieder einmal die Kinder. Ganz jung noch dürfen sie so sein wie sie sind. Kinder sagen die schonungslos die Wahrheit und artikulieren deutlich, was sie möchten. Im Laufe der Zeit wird das Kind dann von den Eltern lernen, dass es unhöflich ist, immer das zu sagen, was man denkt oder haben möchte. Und so wird uns quasi eine unklare Kommunikation anerzogen.

Wir sollten jedoch verstehen, dass eine klare Kommunikation wichtig ist im Miteinander mit anderen, weil so viele Missverständnisse ausgeräumt werden oder erst gar nicht entstehen.

Menschen, die also nicht klar kommunizieren, haben es also aus falsch verstandener Höflichkeit verlernt und sind daher unfähig dazu.

Die Angst ist ein weiterer Grund für unklare Kommunikation. Wir reden häufig so sehr um den heißen Brei, um z. B. etwas unangenehmes zu erklären, dass am Ende das Gegenüber häufig noch verwirrter ist als vor dem Gespräch.  Nehmen wir nur mal, du hast einen Fehler gemacht und musst diesen deinem Chef beichten. Aus Angst vor der Reaktion deines Chefs versuchst du vielleicht das Geschehen zu vertuschen oder geringer schlimm darzustellen als es ist. Dein Chef wird das nicht verstehen und sieht nur, dass du nicht auf den Punkt kommst und deinen Fehler nicht direkt eingestehst und klare Lösungsmöglichkeiten einbringst.

Angst und Unfähigkeit

Angst und Unfähigkeit machen eine klare Kommunikation schwer. Versuche, dich davon zu befreien. Solltest du Angst vor etwas haben, male dir einfach den „worst case“ aus und stelle dir die schlimmste mögliche Konsequenz vor. Was wäre das für dich? Und dann überlege dir, wie du mit dieser schlimmsten Situation umgehen könntest. Oft merken wir dann, dass „alles halb so schlimm“ ist. Das Ausmalen dieser schlimmsten Situation ist meist so absurd und unrealistisch, dass wir gelassener daran gehen können.

Solltest du nun einmal damit konfrontiert werden, dass dein Gegenüber unklar kommuniziert, dann bedenke die oben genannten Punkte. Vielleicht fällt es dir so einfacher, dein Gegenüber zu verstehen.

Falls du allerdings an einen Kollegen gerätst, der unfähig ist und Angst davor hat klar zu kommunizieren, und der sich nur vor der Arbeit drücken und deine Gutmütigkeit ausnutzen möchte, dann gibt es ein simples Wort, mit dem du ihm entgegen treten kannst.

Schade!

Kleines Beispiel

Neulich im Büro
Kollege: „Oh, das Papier im Drucker ist alle.“
Ich: „Schade“

Viel Spaß beim Ausprobieren und berichte mir doch, wie ihr mit unklarer Kommunikation im Büro umgeht. Ich bin mir sicher, dass der Kollege entweder seinen Wunsch klarer formuliert oder er euch in Ruhe lässt.

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